Native American Association of Germany e.V.
Building Bridges - Connecting People

Diskussionen über Kostümierungen

Aus aktuellem Anlass

Uns erreichen verstärkt Anfragen von besorgten Lesern aus Deutschland, die mehr Informationen zum Thema  "Indianer"-Kostüme erhalten möchten. Die Verunsicherung ist groß. Nachdem Annemarie Carpendale auf ihrem Instagram Profil zu Karneval ein Familienfoto veröffentlicht hatte, dass u.a. sie in einem "Indianer"-Kostüm zeigte, erhielt sie dafür zum Teil heftige Kritik. In den Medien war sogar von einem Shitstorm die Rede. In den Artikeln, die anschließend erschienen, wurde erneut die Native American Association of Germany erwähnt. 

Wir hatten 2019 die Empfehlung einer Kindertagesstätte in Hamburg befürwortet, die in einem Schreiben an die Eltern darum gebeten hatte, auf stereotype Verkleidungen zu verzichten. Einige Zeitungen machten aus dieser Empfehlung ein Verbot und die Empörung unter den Lesern dieser Artikel war groß und führte besonders in den sozialen Netzwerken zu heftig geführten Diskussionen. Doch es ging dabei nie um ein Verbot. 

Da ein großer Bedarf an weiteren Erklärungen und Informationen besteht, werden wir dieses Thema nun erneut aufgreifen und innerhalb der kommenden Wochen Schritt für Schritt vertiefen. Zur Zeit sind die Fronten der Gegner und Befürworter extrem stark verhärtet und Menschen werden dabei in ihren Gefühlen verletzt. Dies geschieht auf beiden Seiten. Unser Motto lautet jedoch: "Building Bridges - Connecting People" ("Brücken bauen und die Menschen miteinander verbinden"). Ein Native American, Mitglied unserer Organisation und seit vielen Jahren mit dieser Problematik vertraut, brachte es erneut auf den Punkt, als er sagte: "We are about building bridges not walls." ("Es geht uns darum Brücken zu bauen und keine Mauern.")

In diesem Sinne möchten wir gerne unseren Teil dazu beitragen, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, damit dieser Meinungsaustausch in Zukunft auf eine respektvolle Art und Weise geführt wird.

Eines vorweg: Ein Kind, dass in ein "Indianer"-Kostüm schlüpft, verfolgt damit definitiv keine rassistischen Absichten und viele Erwachsene, die dies als Kind getan haben oder immer noch tun, ebenfalls nicht. Trotzdem ist die Frage erlaubt, ob dies vor einem rassistischen Hintergrund geschieht, denn das, was die Kinder versuchen zu verkörpern, ist ein Stereotyp und es wird den verschiedenen Native American Nations in keinster Weise gerecht. Und ganz besonders im Zeitalter der weltweiten Vernetzung durch das Internet, haben diese Darstellungen einen direkten Einfluss auf diejenigen, deren reichhaltige Kulturen auf eine einzige Klischeevorstellung reduziert werden.

Es scheint so, als würden Native Americans in Europa und ganz besonders in Deutschland bewundert, allerdings wird nur allzu oft erwartet, dass sie diesen stereotypen Vorstellungen auch entsprechen - sowohl im Negativen, als auch im Positiven.

Als Einstieg in das Thema möchten wir auf eine Dokumentation und einen Podcast verlinken, die beide erst vor kurzem veröffentlicht wurden. 


Im Film von Karsten Gravert mit dem Titel "Ich bin kein Kostüm" werden verschiedene Meinungen einander gegenübergestellt, so dass sich der Zuschauer selbst ein Bild von der Problematik machen kann. Zu finden ist die Kultudoku in der Mediathek von 3sat.

https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/ich-bin-kein-kostuem-100.html


Katharina Seeburger und Leonore Kratz führten u.a. ein Interview mit Tyrone White, einem Lakota, der in Deutschland lebt. Hier ist der Link zum Beitrag, der im SWR Radio in der Sendung SWR Aktuell Medial zu hören war und nun in der Mediathek zur Verfügung steht.

https://www.swr.de/swraktuell/radio/ich-bin-kein-kostuem-warum-indianerkostueme-diskriminierend-und-verletzend-sind-100.html


Link zu weiteren Informationen und Videos:

Stereotypen und "Indianer"-Kostüme - Aussagen von Native Americans